IWT
Stiftung Institut für Werkstofftechnik |
Amtliche Materialprüfungsanstalt (MPA) Bremen Abteilungsleiter: Dr.-Ing. Herbert Juling |
MPA Bremen |
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Cryo-Mikroskopie
Das wichtigste Ziel bei der Cryo-Präparation ist die möglichst artefaktfreie Fixierung der in der Probe enthaltenen Feuchtigkeit bzw. Lösung. Beim normalen langsamen Einfrieren einer wasserhaltigen Lösung bilden sich Eiskristalle, die aufgrund der Anomalie des Wassers einen größeren Raumanspruch haben und zu Strukturzerstörungen infolge von Frostsprengungen führen.
Erhöht man die Abkühlgeschwindigkeit auf über 1000°C/s friert das Wasser glasig-amorph ein, wobei sich die Form der Flüssigkeit nicht verändert. Auf diese Weise gelang z.B. das obenstehende Bild eines Wassertropfen auf einer hydrophoben Oberfläche. Das funktioniert auch bei Salzlösungen, wobei allerdings noch nicht eindeutig geklärte Entmischungsprozesse während der Abkühlung auftreten, ohne dass eine Eisbildung auftritt.Um derartig hohe Abkühlraten zu erzielen, muss das Probenvolumen so klein wie möglich gewählt werden, kleiner als 0,5 cm³ hat sich in der Praxis bewährt. Die Probe wird auf einem speziellen Probenhalter mit einem hochviskosen Kaltkleber, der beim späteren Einfrieren fest wird, montiert. Als Abkühlmedium wird schmelzender Stickstoff (sog. Slush-N2) verwendet. Flüssiger Stickstoff hat eine Temperatur von -196°C. Evakuiert man den flüssigen Stickstoff in einem Rezipienten, verdampft ein Teil und entzieht der zurückbleibenden Flüssigkeit die Verdampfungswärme. Bei Unterschreiten der Schmelztemperatur von -210°C wird der Stickstoff fest und bildet kristallinen Stickstoff-Schnee. Beim Belüften des Rezipienten wird ein Teil des Stickstoff-Schnees sofort wieder flüssig, es bleiben aber feste Stickstoffkristalle in der Flüssigkeit zurück. Führt man dieser Flüssigkeit nun Wärme zu, z.B. in Form der einzufrierenden Probe, wird diese Energie zunächst dazu benutzt, die noch festen Stickstoffanteile in der Lösung zu schmelzen. Somit wird das sog. Leidenfrost'sche Phänomen der Dampfhautbildung um den 'heißen' Probenkörper vermindert. (Wir kennen das Leidenfrost'sche Phänomen als tanzenden Wassertropfen auf der heißen Herdplatte!). Somit wird die Wärmeabfuhr nicht durch die Bildung einer Gashaut behindert, wodurch die angestrebten Abkühlraten der Probe erreicht werden. Die weitere Handhabung der Probe erfolgt weitestgehend unter flüssigem Stickstoff. Dabei können frische Bruchflächen erzeugt werden, die den Blick in das ungestörte Innere der Probe freigeben. Der kritischste Moment ist das Überführen der so präparierten Probe in die Transferkammer des Mikroskops. Dabei gelangt die Probe für wenige Sekunden an die Laborluft, wodurch eine mehr oder minder starke Bereifung der Probenoberfläche stattfindet. Dieser Rauhreif muß dann später durch Erhöhung der Probentemperatur auf ca. -80°C von der Probe sublimiert werden. Cryo-Einrichtung im/am MikroskopDie eingesetzte Cryo-Einrichtung besteht im wesentlichen aus zwei Teilen, der Präparations- bzw. Transferkammer und des Kühltisches des Mikroskops. Die Präparationskammer befindet sich außerhalb der Mikroskopsäule und besitzt ein unabhängiges Hoch-Vakuumsystem, das aus einer Turbomolekularpumpe und einer Vorpumpe besteht. Im Inneren der Kammer befindet sich der Probenhalter, der über einen Stickstoff durchflossenen Kupferblock gekühlt wird. Die Temperatur wird laufend über ein Thermoelement kontrolliert. Mit eine Regelautomatik bestehend aus einer Durchflußregelung und einer zusätzlicher Widerstandsheizung kann die Temperatur im Bereich von -150°C und +50°C variiert oder konstant gehalten werden. Mit einer eingebauten Sputter- bzw. Verdampfungsanlage kann die Probenoberfläche leitfähig beschichtet werden. Wenn möglich wird hierfür die Kohleverdampfung benutzt, weil dadurch weniger störende Effekte auf der Oberfläche erzeugt werden, als z.B. bei der Besputterung mit Platin. Nachdem die Präparation abgeschlossen ist, wird die Probe durch eine Schleuse mit einem Transfermanipulator auf den den Kühltisch des Mikroskops im Inneren des REM geschoben. Auch dieser Kühltisch ist wie die Transferkammer (aber unabhängig davon) in einem Temerpaturbereich von -150°C bis +50°C regelbar.
Beispiele von kryo-fixierten Proben
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| Letzte Änderung 21.10.2008 | [ IWT | Werkstofftechnik | Fertigungstechnik | Verfahrenstechnik ] | ||||||||||||||||||