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Forschungsprojekt
Zum Verwitterungsverhalten des Württemberger
Buntsandsteins
- vom bruchfrischen Zustand zur Krustenbildung und deren Entfernung-
Kurzfassung der Diplomarbeit
von Tadeus Pache
gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU),
abgeschlossen: 1998
Einleitung und Zielsetzung
In den mesozoischen Randschollen der Schwarzwälder Vorbergzone steht
zwischen Emmendingen und Diersburg Württemberger Buntsandstein an,
der seit Jahrhunderten als Bauwerkstein abgebaut wird. Der kieselig
gebundene Bausandstein des mittleren Buntsandsteins lieferte gute
Werksteine, die in vielen profanen und sakralen Bauwerken des
Schwarzwälder Raums Verwendung fanden. Das bedeutendste Bauwerk mit
Württemberger Buntsandstein ist das Freiburger
Münster, dessen Werksteine aus den Steinbrüchen der Freiamter
Region (Blatt 7813 Emmendingen) stammen.
Durch die jahrhundertelange Exposition der bearbeiteten Sandsteine ist
es zu Oberflächenveränderungen an den Bauwerken gekommen. Diese
stören nicht nur den ästhetischen Eindruck, auch die originale
Oberfläche und die bauphysikalischen Eigenschaften werden durch die
Verwitterungsprozesse verändert. Um weitergehende Schadensprozesse
an Bauwerken zu unterbinden, ist eine Reinigung der Werksteine mit anschließender
Festigung des verwitterten Oberflächenbereichs oder der Austausch
des Materials notwendig.
Die mit der Reinigung von Werksteinen verbundenen mechanischen Beanspruchungen
können neben Gefügelockerungen und Substanzverlust auch zum Eintrag
von Teilen der Schmutzschicht und den darin enthaltenen Salzen in den Werkstein
führen. Um langfristige Schädigungen der Werksteine zu verhindern,
ist daher eine begleitende mikroskopische Untersuchung während der
Reinigungsmaßnahmen unabdingbar.
Systematische Untersuchungen über
Reinigungsverfahren liegen aber bisher nicht vor. Um die verschiedenen
Stadien vom bruchfrischen bis zum schmutzbedeckten Material erfassen zu
können und das Reinigungsverhalten exemplarisch zu charakterisieren,
wurde in dieser Arbeit das Vorkommen des Lahrer Buntsandsteins, ein Typ
des Württemberger Buntsandsteins, kartiert,
mineralogisch-geochemisch analysiert und sein Verwitterungsverhalten untersucht.
Dieses Projekt diente gleichzeitig der Optimierung eines vom Institut
für Baumaschinen und Baubetrieb (ibb) in Aachen entwickelten Reinigungsverfahrens
durch die Amtliche Materialprüfungsanstalt Bremen (MPA), an dem auch
das Fachgebiet Mineralogie der Universität Bremen beteiligt war.
Methodik
Während der Geländearbeit in Lahr/Schwarzwald (Blatt 7613
Lahr/Schwarzwald-Ost) wurden 38 Proben genommen, wobei der Schwerpunkt
im Bereich des Bausandsteinhorizonts lag. An weiterem Probenmaterial standen
zwei ausgetauschte Werksteinplatten vom südlichen Querhaus des Freiburger
Münsters zur Verfügung.
Die Bestimmung der chemischen Zusammensetzung des Probenmaterials erfolgte
durch einen Röntgenspektrometer. Neben der Lichtmikroskopie wurden
röngtendiffraktometrische und infrarotspektrometrische Methoden zur
Mineralphasenanalyse angewendet.
Die ausgetauschten Werksteinplatten des Freiburger Münsters wurden
im Reinigungsversuchsstand des ibb mit dem Partikelstrahlverfahren bei
unterschiedlichen Parametern gereinigt. Als Strahlmittel wurden Glasperlen
(rund) und Glasbruch (kantig) mit verschiedenen Korngrößenfraktionen
bis zu 230 µm Durchmesser mit einem Druck von 2 bar auf die verschmutzte
Oberfläche gestrahlt. Die Testreinigungen erfolgten unter konstanten
Arbeitsbedingungen (Vorschubgeschwindigkeit, Strahlwinkel, Abstand), so
daß eine etwa 8 cm2 große Fläche
gereinigt wurde.
Für Frost-Tau-Wechsel-Versuche wurde das Probenmaterial (bruchfrische,
ungereinigt, gereinigt) einerseits unter Wasserbedeckung, andererseits
auf einem Drahtnetz etwa 1 cm oberhalb der Wasserlinie 24 Stunden lang
gelagert. Die wassergesättigte Lagerung der Sandsteinkörper diente
zur Erfassung maximaler Schädigung des Gefüges infolge der eintretenden
Eissprengung während die luftfeuchte Lagerung ähnliche Schadensbilder
simulieren sollte wie sie unter natürlichen, bzw. baulichen Gegebenheiten
auftreten. Die derart präparierten Sandsteinkörper wurden im
Klimaschrank des ibb in Aachen 28 Frost-Tau-Zyklen in Anlehnung an DIN
52104 unterworfen.
Querschnittspräparate der Sandsteine wurden im Rasterelektronenmikroskop
(REM) und im Feldemissionsrasterelektronenmikroskop (FEREM) an der MPA
Bremen untersucht, die mit einer energiedispersiven Röntgenmikroanalyse
(EDX) ausgestattet sind.
Ergebnisse
Der Bausandstein ist ein fein- bis mittelkörniger, feldspatführender
Gesteinsbruchstücksandstein. Das Gefüge ist korngestützt.
Die Kornbindung erfolgt direkt über kieselige Bindung, nur untergeordnet
auch indirekt durch tonig-ferritische Häutchen. Durch braune Eisenoxidhydratsäume
sind die Korngrenzen nachgezeichnet. Im verwitterten Oberflächenbereich
des Sandsteins ist das Gefüge gelockert, so daß sich einzelne
Körner, Bruchstücke oder kleine Schuppen ablösen.
Quarz ist Hauptkomponente. An Feldspäten treten
ausschließlich Orthoklas und Mikroklin auf. Der Feldspat zeigt keine
diagenetischen Anwachssäume, die Kornbindung mit den Komponenten des
Sandsteins werden über Quarzanwachssäume aufgebaut. Innerhalb
einer Schicht ist der Feldspat unterschiedlich erhalten. Neben den
ausgelösten
und kaolinisierten Feldspäten treten in einzelnen Horizonten serizitisierte
Feldspäte im Sediment auf. Sie sind in situ entstanden; da mechanisch
instabil.
Illit als häufigstes Schichtsilikat im Württemberger
Buntsandstein tritt detritisch als dünner Belag entlang von Komponenten
und als eingeschuppte Tonlinsen auf. Sekundär gebildeter Sericit ist
feinfaserig als radialstrahlig palisadenartiger Überzug vor allem
an Quarzen häufig zu finden; auch tritt er vereinzelt porenfüllend
auf. An detritischen Glimmern überwiegt blättchenartiger Muskovit.
Kaolinit tritt ebenfalls diagenetisch porenfüllend bzw. pseudomorph
nach Feldspat auf.
An Gesteinfragmenten sind Bruchstücke von
Kieselschiefer und Quarz-Glimmerschiefer häufig. Myrmekit als magmatisches
Relikt ist gelegentlich, sekundär umgewandelte permische Glaspartikel
sind stets vorhanden. Der überwiegende Teil der Akzessorien besteht
aus Hämatit. Untergeordnet treten gerundeter Rutil, Anatas, Turmalin
und Apatit auf. Zirkone liegen fast ausschließlich als Einschlüsse
in Quarzen vor.
Im Bereich mineralisierter Störungen tritt Baryt in
Form kleinerer Gängchen auf, in dessen Umgebung der Buntsandstein
entfärbt ist. Auch Hämatit kommt feinkristallin als dünne
Blättchen mit hexagonalem Habitus als Neubildung im Sandstein vor.
Der Mineralbestand der Bauwerksproben vom südlichen Querhaus des
Freiburger Münsters zeichnet sich im Vergleich zum Bausandstein durch
einen erhöhten Kaolinitgehalt, bei gleichzeitiger Abnahme des Feldspatgehaltes
aus. Die augenscheinlich erhöhten Glimmergehalte im Vergleich zum
mittleren Gehalt im Bausandstein liegen innerhalb der Schwankungsbreite
und sind demnach nicht als verwitterungsbedingte Anreicherung zu verstehen.
Infolge des anthropogenen Einflusses sind jedoch die Gehalte an Cu, Ni,
Pb und Zn im Oberflächenbereich des Freiburger Münsters gegenüber
dem Sandstein erhöht. Die Untersuchungen der verwitterten Probenoberflächen
zeigen zudem eine signifikante Ca- und S-Zunahme im Oberflächenmaterial
des Bausandsteins.
Die Verschmutzungen unterscheiden sich
in ihrem Aufbau grundlegend. Treten bei den exponierten Lagen des Bausandsteins
im Gelände nur geringmächtige Schmutzfilme auf, so kommt es in
geschützten Lagen im aufgelassenen Steinbruch zur Krustenbildung.
Am Freiburger Münster ist die Verschmutzung überwiegend nur geringmächtig
ausgebildet, jedoch treten auch hier in regengeschützten Bereichen
dicke, gipsführende Krusten auf.
Der Krustenaufbau
der Probe des alten Steinbruchs zeigt eine deutliche Zweiteilung; eine
Außenkruste von 500 µm Mächtigkeit mit grobspätigem
Gips auf der Sandsteinoberfläche und eine 1 mm mächtige Innenkruste.
Dieser Bereich liegt innerhalb der Verwitterungszone
des Sandsteins und zeichnet sich durch einen stark gelockerten Kornverband
mit eingelagertem, feinkörnigen Gips aus. Die dem Sandstein auflagernde
Außenkruste verschließt den Porenraum zur Oberfläche hin.
Infolge dieser Versiegelung der Oberfläche kann das Wasser aus dem
Sandstein nicht mehr verdunsten, so daß es bei Frost zur Eissprengung
im Oberflächenbereich kommt. In den so gelockerten Bereich des Sandstein
dringt weiterer Gips vor, der durch zusätzliche Salzsprengung und
thermisch-hygrischer Dehnung das Gefüge lockert.
Der Oberflächenbereich der Werksteinprobe vom Freiburger Münster
zeigt ein anderes Schadensbild. Der Sandstein wird von einer dünner
Schmutzschicht überlagert, die nur vereinzelt in die oberste Kornlage
vorgreift. Das Material besteht überwiegend aus siedelnder Biologie
mit eingelagerten Schmutzpartikeln sowie amorphen Eisenphasen, untergeordnet
tritt Gips auf. Aufgrund stetigen Feuchtewechsels und Auswaschungen durch
Niederschläge ist eine Außenkruste nicht entwickelt.
Innerhalb
der Verwitterungszone des Werksteins kommt es wie bei der Geländeprobe
zu Gefügelockerungen infolge Frostsprengung sowie zur Feldspatlösung
und Neubildung von Kaolinit, der in seiner typischen pseudohexagonalen
Buchstapelstruktur vorliegt. In Bereichen mit höheren Schichtsilikatgehalten
kommt es zur Schalenbildung bis hin zum Ablösen der Oberfläche.
Durch die auflagernde Schmutzschicht ist der Porenzugang von der Oberfläche
des Bausandsteins am Freiburger Münster teilweise verengt worden und
zeigt eine veränderte Wasseraufnahme. Um das ursprüngliche Wasserdampfdiffusionsverhalten
des Sandstein wiederherzustellen, ist eine Entfernung des Krustenmaterials
notwendig. Da aus denkmalpflegerischer Sicht die Oberflächenstruktur
nicht verändert werden darf, ist eine substanzschonende Reinigung
erforderlich.
Reinigungs- und Frost-Tau-Wechselversuche
Im Rahmen des Forschungsprojektes "Steinzerfall - Steinkonservierung"
wurden vom ibb verschiedene Reinigungsverfahren auf deren Eignung an Naturwerksteinen
getestet. Ein auf der Injektorstrahltechnik basierendes trocken angewendetes
Partikelstrahlverfahren erwies sich zur substanzschonenden Reinigung als
am besten geeignet.
Da bei den vorliegenden Proben das Krustenmaterial sowohl auf der Oberfläche,
als auch im oberflächennahen Porenraum vorliegt, ist ein Kompromiß
zwischen der Wiederherstellung der ursprünglichen Farbigkeit und der
Öffnung des Porenraums einzugehen. Diese wird am besten mit einer
Reinigung durch Glasperlen eines Durchmessers von 100-200 µm erreicht,
da eine Schädigung des Gefüges nicht auftritt und gleichzeitig
der Porenraum zumindest teilweise geöffnet wird.
Wird als Strahlmittel hingegen Glasbruch verwendet, so führt dieses
zwar ebenfalls zu einer weitgehend gereinigten Oberfläche, die Komponenten
des Sandsteins sind hingegen deutlich beansprucht worden. Bei Glasperlen
mit einem Durchmesser <70 µm wird das Krustenmaterial nur unvollständig
entfernt.
Alle Probenkörper, die unter Wasserbedeckung den Frost-Tau-Wechsel-Versuchen
zugeführt wurden, zeigten unabhängig von der ursprünglichen
Oberflächenbeschaffenheit starke Gefügelockerungen in den Außenbereichen.
Neben dem Aufbrechen ehemaliger Kornkontakte treten intergranulare Risse
auf, die eine oberflächenparallele Richtung nachzeichnen, so daß
die Probenkörper nach den Versuchen absanden bzw. abschalen.
Das Gefüge der Sandsteinproben ist nach luftfeuchter Lagerung und
28 Frost-Tau-Wechseln bis in eine Tiefe von durchschnittlich 1 mm entlang
aller Außenflächen gelockert worden. Risse innerhalb der Komponenten
treten vereinzelt auf, häufen sich jedoch in den Oberflächenbereichen
der bewitterten Proben.
Die entlang der gereinigten und ungereinigten Oberflächen auftretenden
Rißbildungen deuten auf eine reinigungsunabhängige Schädigung
des Gefüges hin, ein Einfluß durch die Reinigung ist nicht nachzuweisen.
Als Ursache der Schädigung sind vielmehr bearbeitungs- und verwitterungsbedingte
Veränderungen der Oberflächenbereiche anzunehmen. Derart angelegte
Schwächezonen werden infolge der Eissprengung aufgeweitet und somit
sichtbar. In Zwischenschichten von Kaolinit eingelagertes Wasser fördert
beim Gefrieren die Zerstörung des Kornverbandes.
Zusammenfassung
Zur Charakterisierung des Verwitterungsverhaltens von Werksteinen an
Baudenkmälern sind Kenntnisse der natürlichen verwitterungsbedingten
Veränderungen notwendig. Dieses bedeutet im Fall des Württemberger
Buntsandsteins, daß u.a. der unterschiedliche Erhaltungszustand der
Feldspäte, die Verteilung von Eisenoxidhydraten und das Vorkommen
von Kaolinit in Naturaufschlüssen untersucht werden muß, um
diese Erkenntnisse mit dem Schadensbild an künstlichen Aufschlüssen
(Bauwerke) vergleichen zu können.
Die in allen Proben
häufig zu beobachtenden unterschiedlichen Feldspaterhaltungen innerhalb
einer Schicht deuten auf einen prä-diagenetischen Effekt hin.
Als Verwitterungsprodukt
ist der idiomorphe Kaolinit anzusehen. Zudem sind die ehemals carbonatischen
Einschaltungen, bzw. Bindemittel gelöst, so daß lediglich die
oxidischen eisen- und manganhaltigen Rückstände als Wadflecken/Mulm
vorhanden sind.
Das dem Sandstein auflagernde
Verwitterungsmaterial als jüngste Verwitterungserscheinung ist in
seiner Zusammensetzung vom Stoffangebot des Sandsteins, vom Stoffeintrag
durch Aerosole und der Regenwasserzusammensetzung abhängig. Die Gehalte
an Cu, Zn und Pb in den Bauwerksproben des Freiburger Münsters nehmen
überproportional zu. Sie sind anthropogenen Ursprungs.
Während als Calcium-
und Sulfatlieferant zur Gipsbildung an Geländeproben vor allem Sickerwasser
angenommen werden können, muß das Calcium am Bauwerk aus dem
verbauten Fugenmörtel oder durch Lufteintrag der Oberfläche zugeführt
werden. Der Schwefel wird durch Lufteintrag im Porenwasser der Sandsteine
gelöst ("trockene SO2-Deposition").
Testreinigungen verschmutzter
Werksteine des Württemberger Buntsandsteins führen in Abhängigkeit
von den verwendeten Reinigungsparameter zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Aus den Frost-Tau-Wechsel-Versuchen
ergibt sich, daß unabhängig von der Vorbehandlung das Material
gleichermaßen reagiert.
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