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 Amtliche Materialprüfungsanstalt (MPA) Bremen

Abteilung Analytische Baustoffmikroskopie
Abteilungsleiter Dr.-Ing. Herbert Juling

 

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Denkmalpflegeforschung

Kloster Chorin

Kloster Chorin
Die Ruine des Zisterzienserklosters Chorin, ein bedeutendes Bauwerk der norddeutschen Backsteingotik aus dem Ende des 13. Jahrhunderts, wurde im Jahre 1991 für die Bearbeitung im Rahmen des BMBF-Programms "Forschung für den Denkmalschutz" als Pilotobjekt ausgewählt, weil eine Reihe von Schadensbildern und -ursachen als charakteristisch für ähnliche Bauwerke dieser Bauzeit in der Region Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern angesehen wurde.

Forschungsschwerpunkte 1991/1992 waren:

  • Feuchtigkeitsproblematik durch zu hohes Niveau des Erdreiches; Durchfeuchtung der Kellerwand im Bereich westlicher Kreuzgang und Nordwand
  • Salzschäden im westlichen Kreuzgang am Ziegelmauerwerk der Gewölbe; Schalenbildung und Absandungen
  • Mörtel- und Putzzusammensetzungen; Prüfung, ob mittelalterlicher Putz vorhanden ist
  • Rezeptaufstellungen zur Rekonstruktion der verwendeten Mörtelmaterialien und Vergleichsuntersuchungen
  • Untersuchungen zum mikrobiologischen Befall/Mikroorganismen, insbes. im Konversensaal, Kellerbereich, angrenzende Außenmauern
  • Ausblühungen an Außenziegelmauerwerk und Fugenmörtel der Nordwand durch Fehlsanierungen der letzten Jahrzehnte, Ursachen und Behebung
Wissenschaftlich-technische Ergebnisse/andere Ergebnisse

Als wesentliche Ursache für Schäden an Ziegeln und Mörtel ist die Feuchtebelastung anzusehen. Auch vorhandene Erscheinungen von biologischem Befall sind in ihrem Umfang durch die Feuchtebelastung bestimmt.
Sowohl an der Außenhülle des Bauwerks als auch an den Wänden des Konversensaals handelt es sich um typische Erscheinungen aufsteigender Feuchtigkeit.
Offensichtlich sind die Feuchteerscheinungen und -schäden auf Gebäudeerhöhungen über dem ursprünglichen Sockelbereich zurückzuführen, wo die Erdfeuchtigkeit direkt auf das Mauerwerk einwirken konnte. Im Bereich von Schurfen im Innenhof und an der Nordwand führten Freilegungen zu deutlichem Austrocknen des Mauerwerks.
Es konnte der Nachweis erbracht werden, daß im Einzelfall selbst bei maximaler Wanddurchfeuchtung die Möglichkeit des rein bautechnischen bzw. baukonstruktiven Feuchteschutzes durch "Geländepflege" eine äußerst effiziente Methode zur Austrocknung sein kann.
Hinsichtlich der Belastung mit Salzen wurden vorrangig Nitrate und Gips nachgewiesen. Die Nitrate - vor allem Kaliumnitrat - kommen verstärkt im Konversensaal vor und sind dort mit Sicherheit auf die langzeitige Umnutzung als Stall zurückzuführen. Der gefundene Gips, vor allem in Mörtelproben, wird als Umwandlungsprodukt gewertet.

Nahaufnahme eines mürben Ziegels am westlichen Kreuzgang REM-Aufnahme des "Ziegel"gefüges, was im Wesentlichen nur noch aus ca. 20 µm großen Gipskristallen besteht, umgeben von Ziegelresten.

Empfehlungen

Zur Vermeidung und Abwendung weiterer Schäden durch Feuchteeinwirkung wird die Freilegung und Austrocknung als praktische und schonende Maßnahme, bzw. für Bereiche, an denen sich diese Maßnahme nicht eignet - Untersuchung der Wirksamkeit anderer Bautenschutzmaßnahmen (z.B. Vertikalsperrung) angesehen.
Für Neuverfugung: Anwendung eines Kalkmörtels mit hydraulischem Kalkanteil im Bindemittel/Zuschlagstoff-verhältnis 1:3 bis 1:5 (Masseanteile> mit Feinsand als Zuschlagstoff
Gegen akute Biokorrosion - ebenfalls zurückzuführen auf erhöhte Feuchtebelastung - Schutz des Objektes vor Feuchtigkeit schützen, möglicherweise auch Oberflächenreinigungsmaßnahmen und die Verwendung entsprechender Biozide
Untersuchung an Hand von Testflächen - Erprobung von Opferputz zum Entfernen der Salze aus der Wand und gleichzeitig Auswirkung auf den Bewuchs mit Bakterien und Pilzen

Objektbearbeiter: Dipl.-Ing. Beatrice Schunke, Dipl.-Krist. Frank Schlütter
Ansprechpartner: Dr. Frank Schlütter, Tel. 0421/53708-43


Berichte:: Orientierungsinspektion (22.-24.04.1991) [2,0MB]
1. Untersuchungskampagne (02.-06.11.1992) [3,2MB]

 



Letzte Änderung 11.03.2004 [ IWT | Werkstofftechnik | Fertigungstechnik | Verfahrenstechnik]