Untersuchungen zum Verhalten von konventionellen und ökologischen Dämmstoffen gegenüber mikrobiellem Befall unter verschiedenen klimatischen Bedingungen und Bewertung der mikrobiellen Kontamination für die Wohnhygiene und Effizienz der Energieeinsparung

Wachstum von Stachybotrys chartarum auf Dämmstoff

Stachybotrys chartarum


BIODÄM

Ansprechpartner: Dr. Andreas Rabenstein

Elf verschiedene mineralische, ökologische und synthetische Dämmstoffe wurden mit Pilzen kontaminiert und bei verschiedenen Temperaturen und Luftfeuchten inkubiert, um festzustellen, welche Materialien wann besonders angegriffen werden. Es wurden mikrobiologische Untersuchungen zur physiologischen Aktivität der aufwachsenden Pilze und zur Taxonomie durchgeführt um eine Einschätzung des Gefährdungspotenzials geben zu können. Im Anschluss an die biologischen Untersuchungen wurden die bauphysikalischen Parameter Wasserdampfdiffusions- und Wärmeleitzahländerung analysiert und untersucht, ob mit der mikrobiellen Kontamination Änderungen der Dämmwirkung einhergehen.
Die ökologischen Dämmstoffe sowie ein Teil der mineralischen Dämmstoffe scheinen bei Temperaturen ab 20 °C das Schimmelwachstum besonders zu fördern. Die synthetischen Dämmstoffe dagegen sind bei Temperaturen unter 24 °C relativ inert gegen einen Schimmelbefall. Dies änderte sich bei einer Temperaturerhöhung auf 24 °C. Es kam dann auch bei den synthetischen Dämmstoffen zu einem Wachstum der aufgeimpften Pilze auf dem Material. Der Bewuchs der synthetischen Dämmstoffe bei 24 °C erfolgte bei sehr niedriger Luftfeuchte (45 %), was erstaunlich ist. Daß der Bewuchs auf die niedrige Luftfeuchte zurückzuführen ist, ist auszuschließen, da Schimmelpilze für ein Anwachsen eine Luftfeuchte von über 70 % benötigen. Hier scheint es aber so zu sein, daß die Kontaminationsflüssigkeit (Sporenlösung) den Pilzen auf dem hydrophoben, planaren Material zum Anwachsen dient.
Die Dämmeigenschaften (Wasserdampfdiffusionsfähigkeit) der untersuchten Dämmstoffe ändern sich lediglich bei PU und EPS. Allerdings ist die Änderung hier nicht eindeutig auf den Befall zurückzuführen. Bei allen anderen Dämmstoffen blieiben die Änderungen der Dämmeigenschaften in einem Rahmen, der Vergleichswerten aus der Literatur entspricht (Tab. 1).
Da insbesondere die ökologischen Dämmstoffe (Holzfaser, Zellulose, Kork, Flachs) und einige der mineralischen Dämmstoffe (Mineralwolle und Blähton) von Schimmel stark befallen werden, wäre eine raumlufthygienische Belastung denkbar unter der Voraussetzung, daß eine ungenügende Abgrenzung der Dämmstoffe gegen die Innenraumluft gegeben wäre.

Das Projekt wurde  durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung 2001-2003 gefördert