Entwicklung eines Konzeptes zur nachhaltigen Konservierung umweltbedingter Pigmentveränderungen der gotischen Ausmalungen in der Burg Ziesar und der Marienkirche Herzberg

Sekundär verändertes Mennigekorn (Rotpigment). Im Kern sind noch Mennigereste vorhanden. Der überwiegende Teil des Kornes ist in farbloses Bleichchlorid und Bleisulfat umgewandelt. Das hat eine Entfärbung der ursprünglich roten Malerei zur Folge [REM-RE]

Burg Ziesar


gefördert durch die DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt) 2006-2008
Ansprechpartner: Dr. rer. nat. Frank Schlütter

Das Projekt wurde im Jahr 2009 abgeschlossen. Durch die erfolgreichen analytischen Nachweise der Pigmente und deren Umwandlungsprodukte konnte gezeigt werden, dass umweltbedingte, chemische Umwandlungen der mineralischen Primärphasen in chemisch  stabile Umwandlungsprodukte zu Verfärbungen und Entfärbungen der Malereien geführt haben. Als Ursachen der Pigmentveränderungen wurden Klima, Feuchtigkeit, Salze und der oxidierende Luftinhaltstoff Ozon ermittelt Das Raumklima begünstigt die Pigmentveränderungen durch häufige Oberflächenkondensation. Weitere Ursachen sind herstellungsbedingte Beimengungen oder Inhomogenitäten. Hierfür folgende Beispiele: Bereits geringe Mengen freies Chlorid sind für die Vergrünung von ursprünglich blauem Azurit ausreichend. Reaktionsprodukt ist grüner Atacamit, ein Kupferchlorid. Für die Veränderungen von Mennige werden Verunreinigungen mit Chlorid aus der Herstellung angenommen. Über längere Zeiträume bildet sich farbloses Bleichlorid. Durch SO2 in der Luft entsteht zusätzlich Bleisulfat. Beides führt zu einer Entfärbung (Verblassung) der ursprünglich roten Mennige (Bild AA). Weiterhin konnte nachgewiesen werden, dass grüne Kupferpigmente in Gegenwart chlorhaltiger Mennige nicht beständig sind. Die Stabilität von Bleizinngelb ist abhängig von der Phasenzusammensetzung und der Homogenität. Inhomogene, nicht stöchiometrische Körner neigen zur Verbräunung durch die Bildung von schwarzem Bleidioxid (Plattnerit). Außerdem lieferte das Projekt wesentliche Ergebnisse hinsichtlich der analytischen Vorgehensweise.

Sekundär verändertes Mennigekorn (Rotpigment). Im Kern sind noch Mennigereste vorhanden. Der überwiegende Teil des Kornes ist in farbloses Bleichchlorid und Bleisulfat umgewandelt. Das hat eine Entfärbung der ursprünglich roten Malerei zur Folge [REM-RE]

Die Kombination der mikroskopischen Untersuchungsmethoden (PolMi, REM/EDX, Mikrosonde) und der Mikro-Ramanspektroskopie erwies sich als optimal. Alle Pigmentumwandlungen zeigen spezifische mikroskopische Merkmale und sind daher mit mikroskopischen Methoden qualitativ nachweisbar. Durch Mikrosondenuntersuchungen konnten Zonierungen als Beweise für die ablaufenden Prozesse erbracht werden. Die exakte, korngenaue Phasenanalyse der primären und sekundären Bestandteile erfolgte über Ramanspektroskopie. Mit diesem Projekt gelang der Anschluss an die europäische Forschungslandschaft auf diesem Gebiet.