Ermittlung einer innovativen Lösung zur modellhaften Konservierung von umweltgeschädigtem spät-klassizistischem Gipsstuck in Kircheninnenräumen am Beispiel der Marienkirche Stralsund

Gipsstuck im Chor der St. Marien Kirche Stralsund

Gipsstuck im Chor der St. Marien Kirche Stralsund


gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) (2011-2013)

Gips ist an den historischen Gebäuden der Gipsregionen Deutschlands ein weit verbreiteter Baustoff. Eine Vielzahl historischer Bauwerke in Franken, Thüringen, der Harzregion und in Norddeutschland wurde mit Gipsmörtel errichtet. Im Zuge der Christianisierung gelangte dieses Material bis nach Nordosteuropa und wurde dort als Mauermörtel sowie für die Herstellung von Skulpturen und Gliederungselementen verwendet (Deutschordensburgen in Torun und Malbork (Polen), Sakralbauten in Mittel- und Nordpolen).

Bei den mittelalterlichen Gipsmörteln handelt es sich fast ausnahmslos um so genannten Hochbrandgips, der sowohl als Mauer- und Verfugmörtel als auch für Kapitelle, Konsolen, Maßwerke, Balustraden und Skulpturen verwendet wurde. Je nach Anwendung, ästhetischen Vorstellungen bzw. künstlerischen Intentionen wurden dem Hochbrandgips färbende Zusätze, weitere Bindemittelkomponenten und Zuschläge zugegeben.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Gipsmörtel als Baustoff für den Mauerwerksbau zwar stark zurückgedrängt, für künstlerische Zwecke fand er jedoch weiterhin Verwendung. Die spätklassizistischen Umbauten, die in zahlreichen nordeuropäischen Kirchen in dieser Zeit vorgenommen wurden, nutzten Gips als Stuckmaterial für zusätzliche Bauzier.

Im Gegensatz zu den mittelalterlichen Gipsmörteln, die bezüglich Herstellung und Eigenschaften recht gut untersucht sind, ist über die spätklassizistischen Gipselemente nur wenig bekannt. Es gibt bislang keine Untersuchungen über Rohstoffe, Fertigungstechnik und Materialeigenschaften.
Insbesondere in der St. Marien Kirche Stralsund weisen die spätklassizistischen Verzierungen zum heutigen Zeitpunkt z.T. starke umweltbedingte Schäden in Form von Rissen und Abplatzungen bis hin zum Verlust ganzer Ornamentteile auf. Neben dem Verlust wertvoller Denkmalsubstanz stellen die Schäden, die bis in die oberen Bögen der Pfeiler reichen, auch eine akute Verkehrsgefährdung durch herabstürzende Gipsstuckteile dar. Aus diesem Grunde ist der Chor der Marienkirche in Stralsund gegenwärtig für Besucher gesperrt.

Ziele des Projektes sind die detaillierte, vergleichende, materialkundliche Untersuchung des spätklassizistischen Gipsstucks aus verschiedenen Kirchen sowie die Klärung der Schadensursachen in der St. Marien Kirche Stralsund und die Erarbeitung einer Konservierungsstrategie und deren modellhafte Erprobung an einer vertikalen Achse im Chor der Kirche.