Korrosionsprobleme an historischen Orgelinstrumenten im Gebiet der Metropolregion Nordwest: Pilotprojekt zu Erforschung der Ursachen und Entwicklung möglicher Schutzmaßnahmen

Mittelalterliche Orgel in St. Marien zu Drebber

Mittelalterliche Orgel in St. Marien zu Drebber


gefördert durch die Metropolregion Nordwest (2013-2015)

Aufgrund des gehäuften Auftretens von Korrosionserscheinungen an historischen Orgelpfei­fen im norddeutschen Raum wurden umfangreiche materialwissenschaftliche Untersuchun­gen zur Ursachenermittlung durchgeführt. Die Untersuchungen fanden an den historischen Orgeln der St. Vitus Kirche in Belum und der Ev. Kirche St. Marien und Pankratius in Mariendrebber statt.

Neben materialografischen Untersuchungen wurden u.a. Oberflächenanalysen an ausgela­ger­ten Bleiproben sowie umfangreiche Klimaaufzeichnungen in den Kirchen und direkt in den Orgeln durchgeführt.

Der Korrosionsangriff geht von der Innenseite der Orgelpfeifen aus und ist dementsprechend erst spät feststellbar. Als korrosionsauslösende Komponente wurde Acetat identifiziert, wel­ches in Form von Essigsäure z. B. vom Holz der Orgel abgegeben wird und die Ausbildung einer sehr dünnen schützenden Oxidschicht, einer sogenannten Oxidschicht, auf dem Blei stört und somit dessen Beständigkeit herabsetzt. Als weitere wichtige Einflußgröße ist die Feuchtigkeit zu sehen. In den Kirchen und in den Orgeln wurden sehr hohe Feuchtigkeits­werte ermittelt, die sich korrosionsförderlich auswirken. Das Holz der Orgeln stellt selber ein Wasserreservoir dar, welches Feuchtigkeit wieder abgibt, wenn trockene Luft die Orgel durch­strömt.

Die Zusammenhänge der Feuchtigkeit in den Orgelpfeifen mit Orgelinstrument selber und den Klimabedingungen in den Kirchen sind derart komplex und spezifisch, so dass auch für andere befallene Orgeln die Erfassung der spezifischen Klimabedingungen ratsam scheint.

Aus den Untersuchungen lassen sich einige Abhilfemaßnahmen, wie die Vermeidung essigsäure­emittierender Materialien, Anpassung des Heiz- und Lüftungsverhaltens der Kir­che ableiten, mit denen das Korrosionsrisiko verringert werden kann.

Dabei sollte die bisherige Praxis der kurzzeitigen starken Erhöhung der Raumtemperaturen des Kirchenraumes (mit Auswirkungen auf die mikroklimatischen Bedingungen in der Orgel) anlässlich von Gottesdiensten oder Konzerten möglichst vermieden werden. Es wäre eine weitgehend konstante mittlere Temperatur der Raumluft anzustreben, was aus energetischer Sicht auch durchaus vorteilhaft sein kann.

Diese Maßnahmen sind jedoch im Einzelfall noch zu validieren und betreffen im Wesentli­chen neue bzw. unbefallene Orgelpfeifen.

Es sind jedoch noch umfangreiche materialwissenschaftliche Forschungen notwendig, um Möglichkeiten aufzuweisen, wie z. B. die schon korrodierten, aber noch funktionierenden Orgelpfeifen restauriert werden können.

Hierfür ein förderpolitisches Bewusstsein zu schaffen, muss das Ziel aller Beteiligten und Interes­sierten sein, um mittelfristig weitere Schäden und damit die Zerstörung dieses Kulturschat­zes zu verhindern.

Projektpartner:
•    Hochschule für Künste/Arp-Schnitger-Institut Bremen
•    Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) Bremen


Abschlussbericht: Download [3,4 MB]